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Modernes Wirtshaus im Spessart: Ein Besuch in der Villa Marburg

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Vorigen Samstag war ich in der Villa Marburg in Heigenbrücken (bei Aschaffenburg) zu Gast. Ich habe den Spa-Bereich getestet, die würzige Luft tief eingeatmet und ganz hervorragend gegessen und getrunken.

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Die Villa Marburg im Park in Heigenbrücken hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Errichtet wurde sie von einem Mann namens Marburg, daher der Name, seit gut 12 Jahren gehört sie dem Unternehmen Wenzel, einem klassischen deutschen Hidden Champion aus der Provinz. Die Eigentümer hatten bei der Inbetriebnahme vor, den Kunden aus Übersee etwas bieten zu können. Denn in guter und vertrauensvoller Atmosphäre handelt es sich besser. Das Haupthaus wurde um einen Anbau und um einen Neubau ergänzt, die alle durch elegante Glasdächer verbunden sind.

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Heute gibt es in Restaurant und Hotel eine klassische Mischfinanzierung. Unter der Woche ist das Geschehen meist dominiert von Tagungen aus dem Großraum Frankfurt, am Wochenende genießen Individualtouristen die fantasiereichen Kreationen von Küchenchef Klaus-Peter Ullrich, die geschmackvoll eingerichteten Zimmer und den Spa-Bereich. Dass Heigenbrücken ein anerkannter Luftkurort und das Haus direkt am Bahnhof gelegen ist, ist ein zusätzlicher Bonus.

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Ich habe bei meiner Ankunft am Samstag zuerst den Spa-Bereich in Beschlag genommen. Geboten werden Sauna, Dampfbad, Tecaldarium und sogar ein Whirlpool. Im Sprudelwasser liegend den Regentropfen zu lauschen, wie sie auf die Scheiben prasseln, ist ein Erlebnis für sich.

Mit zarter Haut und frisch erholt kann man sich dann zum Abendessen begeben. Hotelchef Stephan Nax zeigte mir zuerst das Herzstück, nämlich die Küche. Dort gehen Küchenchef Klaus-Peter Ullrich und sein Team ihrer Arbeit nach.

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Ullrich hat noch in der DDR sein Handwerk gelernt, im heutigen Thüringen. Durch Thailand-Urlaube kam er auf neue Ideen und hat diese kontinuierlich weiterentwickelt. Das Grundprinzip: Alles wird fusioniert, das Essen soll Spaß machen, Emotionen wecken. Altdeutsche Gerichte aufgelockert mit Asia-Themen ergeben dann die neue deutsche Küche der Villa Marburg.

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Wichtig ist Ullrich, dass der Anspruch nicht sei, reine Fusionsküche zu offerieren. Der Kartoffelstampf von Oma sei genau richtig, deshalb gibt es diesen auch in der Villa Marburg genau so. Die Erinnerungen an die Freuden der Kindheit werden gezielt durch kleine Elemente angesprochen, bspw. durch einen Löffel Nutella bei der Nachspeise. Die Villa Marburg wolle als angenehmer Gastgeber auftreten und auch kein Sterne-Restaurant sein. Gehobene Küche, aber mit Spaß und nicht überkandidelt. Cool soll es sein. Zitat: „Wenn man Fisch isst und aber Bock auf Rotwein hat, dann soll man das machen dürfen.“

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Und selbstverständlich gibt es vegetarische und vegane Varianten, die den Vergleich mit den Fleischgerichten nicht scheuen müssen. Ein persönliches Anliegen Ullrichs, der persönlich nur sehr wenig Fleisch isst.

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Blick in den Weinkeller

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Schreiten wir zur Tat. Zum Auftakt gab es frisch gebackenes Brot Thüringer Provinienz. Dazu etwas Frischkäse und einen wunderbaren Riesling, dessen Name Glaube, Liebe, Hoffnung Programm ist.

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Fruchtig, spannend, spaßig, anregend.

Dann ein erster Gruß aus der Küche. Die Praline ist salzig-süß, ergänzt die Garnele sehr gut. Dazu eine karamellisierte Makrele und etwas Schweinebauch. Quasi ein Hauch Oktoberfest. Das Team nennt den Schweinebuch Sixpack für Genießer, habe ich mir sagen lassen …

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Der zweite Gruß aus der Küche greift wieder Erinnerungen an die Kindheit auf. Waldmeister-Wackelpudding, Bierschaum, etwas Fleisch. Völlig verrückt, aber genial.

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Zwischendurch ein rascher Wein-Wechsel zu einem Grauburgunder von Christine Pröstler. Kraftvoll, Ideen von Pfirsich, Geschmack von Wald.

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Als Vorspeise habe ich Szechuan-Rindertatar gewählt. Zutaten: Kaffeeschmand, Rote Beete, Himbeerair, Wildkräuter. Der Name lässt schon erahnen, dass das eine pfeffrige Angelegenheit sein wird. So war es dann auch, allerdings ohne den Eigengeschmack des Fleischs zu überdecken. Der Wein hebt die Würze noch einmal extra hervor.

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Dazu ein 2014er Sauvignon Blanc.

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Herbstzeit ist Kürbiszeit. Folgerichtig habe ich mich für die Kürbis-Kokos-Suppe mit Thai-Garnelchen und Pastis-Air entschieden. Eine gute Kürbiscremesuppe ist immer: lecker. Die Garnelen haben die Suppe schön ergänzt, ohne das Kürbisaroma zu überdecken.

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Auch wenn die vegetarischen Gerichte verführerisch klingen, fühlte ich mich im Spessart regelrecht dazu verpflichtet, ein Hirschsteak als Hauptgericht zu verspeisen. Natürlich nicht auf die übliche Art zubereitet, sondern an einer Dattel-Kakao-Creme, ganzen Shiraz-Brombeeren (statt der trivialen Preiselbeeren), einer thailändischen Erdnusssoße, dazu Wacholder-Schupfnudeln und etwas Blattspinat. Der Hirsch: zartrosa, nicht zu weich, nicht zu fest. Die Soße, die Creme: Endlich ein Wildgericht, das nicht nach muffiger altdeutscher Bräsigkeit schmeckt. Die Schupfnudeln haben durch ihre Normalität die Extravaganz elegant konterkariert und somit verstärkt. Gelungen!

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Dazu ein nach Tropenholz und Brombeer schmeckender im Barrique-Fass ausgebauter 2013er Stern-Rotwein. Ein Wein, in dem man geradezu ertrinken kann, so intensiv ist er. Unbedingt probieren. Aber nur zum Essen, ansonsten ist er sicherlich zu schwer.

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Ohne Nachtisch will man nicht aufstehen. Selbstgemachtes Eis, der oben erwähnte Nutella-Klecks, Milchreis-Krapfen. Dazu ein Gewürztraminer, der in der Lage ist, den Nachtisch zu stützen und nicht zu ersticken.

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Für mich ein rundum gelungenes Menü. Die Weinauswahl von Stephan Nax war perfekt. Vielen Dank dafür!

Weitere Impressionen:

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Mein Zimmer:

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Die eingedeckte Tafel am nächsten Morgen:

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Ich:

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(Hinweis: Ich war auf Einladung der Villa Marburg vor Ort. Davon abgesehen erfolgte keine Bezahlung.)


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