Feinschmeckerblog

Für anspruchsvolle Genießerinnen und Genießer

IMG_2280
IMG_2280

Generation Riesling: Die Zukunft des deutschen Weins ist jung, frisch und fruchtig

| Keine Kommentare

Vor 30 Jahren galt der deutsche Wein international fast ausschließlich als ungenießbar. Zu fad, zu süß, zu langweilig. Man hat ihn getrunken, weil man das schon immer so gemacht hat. Wer was auf sich hielt und seinen Gaumen einigermaßen achtete, trank italienischen, spanischen oder französischen Wein. Heute ist das anders. Heute ist eine neue Generation am Ruder. Gerade der deutsche Riesling hat einen derartigen Sprung nach vorne geschafft, es ist geradezu fantastisch. Ich war vorige Woche bei 10 Jahre Generation Riesling in Frankfurt und habe mir ein Bild davon gemacht.

Die Veranstaltung war im Palmengarten Frankfurt. Ich war etwas zu spät und es war regnerisch, aber irgendwas ist ja immer.

Gebäude

Nach der Ankunft habe ich mich direkt in ein Weinseminar mit Stuart Pigott gestürzt, einem der größten Weinkenner der Welt. (Pigott ist von der neuen Generation Riesling übrigens sehr begeistert, wie man seinem Bericht zur Veranstaltung entnehmen kann.)

weinprobe_servieren

Zuerst gab es eine Auswahl an Nicht-Rieslingen zu probieren, danach vier verschiedene Rieslinge, die unterschidlicher fast nicht sein könnten.

weinprobe_zettel

Zu meiner Wertung:

Den 2014er Grauburgunder vom Weingut Bieselin aus Baden fand ich persönlich ok, wenn er mir auch etwas zu säuerlich war.

Der Silvaner Mönchshof von 2014 vom Weingut Bieckel-Stumpf aus Franken fand ich absolut furchtbar. Ich konnte davon nur einen Schluck trinken, nicht mehr. Meine Nachbarin meinte, das sei ein Wein für echte Weinprofis, aber dann bleibe ich lieber Amateur.

Der 2013er Spätburgunder Hölle vom Weingut Thörle aus Rheinhessen hat ein wenig meine Zunge betäubt, aber vielleicht waren das noch die Nachwirkungen des Silvaners. Ein wenig waldig fand ich ihn. Nicht schlecht, aber nicht mein Bier. Äh, Wein.

Zum Abschluss der Nicht-Rieslinge gab es einen 2015er Scheurebe Kalkader vom Weingut Eva Vollmer, ebenfalls aus Rheinhessen. Der hat mir Spaß gemacht: sehr süffig, sehr saftig, einfach angenehm. Mit diesem Wein könnte man sich sehr gerne einen ganzen Abend vergnügen.

Zweite Runde. Jetzt die Rieslinge, deshalb war ich ja schließlich da.

Es ging los mit einem Riesling von 2015 vom Weingut Sinß aus Nahe: total erfrischend, macht Spaß im Mund, schmeckt nach Party. Probieren!

Der Riesling vom Weingut Axel Pauly von der Mosel schmeckt nicht nach Mosel. Also, nicht so, wie man sich früher einen Moselwein vorgestellt hat. Also nicht pappsüß, sondern spannend und interessant.

Ganz besonders war der Riesling Jesuitengarten vom Weingut Margarethenhof aus der schönen Pfalz. Ein so feiner und leckerer Wein ist wirklich etwas Schönes. Solche Weine gab es vor 20 Jahren in Deutschland vermutlich überhaupt nicht.

Mein persönlicher Favorit war zu meinem eigenen Erstaunen die Auslese Riesling Ayler Kupp von 2007 vom Weingut Peter Lauer von der Mosel. So einen wunderbaren Moselwein habe ich noch nie getrunken. Die Süße war so unglaublich angenehm, genial. Dazu eine Käseauswahl (Frankreich, Schweiz, egal) und der Abend wäre gerettet. Für mich hat sich schon nach diesem Wein der Abend gelohnt.

(Anekdote am Rande: Während der Verkostung hat es so stark geregenet, dass an einer Stelle des Raums das Wasser durch die Wand kam. Pigotts englische Reaktion: „Auch wenn draußen Weltuntergang ist, die Weinprobe geht weiter.“)

verkostung_regen

Nach der Weinprobe habe ich mir noch ein paar Weine der Aussteller angeschaut. Ich fand es vor allem spannend zu erfahren, dass die Lebenshilfe ein so umfangreiches Portfolio hat.

lebenshilfe_bad_duerkheim

Auch sehr schön: Die Winzer sind wirklich alle jung und wollen was erreichen. (Noch eine Anekdote, wieder von Pigott: Als er vor 20 Jahren in Deutschland unterwegs war, glichen die Gespräche zwischen Vater und Sohn auf einem Weingut laut Pigott dem kalten Krieg. Heute ließen die Eltern ihrem Nachwuchs freie Hand.)

weingut_sinss

Lustige Etiketten gab es auch:

bauer_sex

Der Saal hat mir gut gefallen.

saal_eindruck

Zwischendurch habe ich noch ein zwei Weine probiert.

wein_eimer

Fast alle gut.

Und Kuchen! Ohne Kuchen keine Party.

kuchen_halb

Weinverkostung mit Ausblick.

frankfurt_ausblick

Zusammengefasst: Ich war ein sehr zufriedener Besucher, wie man sieht.

Christian Soeder

Pigott auch.


Anzeige:

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.