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„Schlecht gemanagte Meere – Konsumverzicht ist kein Mittel gegen Überfischung“

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Eine Pressemitteilung des Fisch-Großhändlers „Deutsche See“ im Original.

„University of Fish“: Informierte Verbraucher tragen zum nachhaltigen Schutz der Meere bei

Am vergangenen Dienstag sprach der Fischereibiologe Dr. Christopher Zimmermann (Foto) im Rahmen der „University of Fish“ von „Deutsche See“ Fischmanufaktur über das Thema „Schlecht gemanagte Meere – Konsumverzicht ist kein Mittel gegen Überfischung“. Bei der Veranstaltung in der Universität Hamburg ging es auch um die Möglichkeiten der Verbraucher, Fisch und Meeresfrüchte verantwortungsbewusst zu konsumieren.

Industrie, Fischerei, Politik und Verbraucher: Alle wollen die marinen Ressourcen nutzen. Gleichzeitig sollen aber die Umwelteinwirkungen minimiert und das Ökosystem geschützt werden. Denn keiner möchte dazu beitragen, dass die Meere leergefischt werden. Daher fordert die Wissenschaft die Implementierung von langfristigen Managementsystemen, die alle Interessen berücksichtigen, vor allem aber auf den Erhalt der genutzten Fisch- und Meeresfruchtbestände und der Meeresumwelt abzielen.

„Kurzfristige Managementansätze helfen den Fischen wenig und stabilisieren das Ökosystem höchstens für den Moment. Die Populationen verändern sich aber über lange Zeiträume hinweg in Zyklen von etwa 20 bis 35 Jahren“, betonte Dr. Christopher Zimmermann, stellvertretender Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei. „Es kommt daher darauf an, den Zustand eines Fischbestands langfristig positiv zu beeinflussen und für ein nachhaltiges Management zu sorgen. Das heißt jedoch nicht, dass die Verbraucher auf Fisch verzichten müssen.“ Konsumverzicht sei keine Lösung, so Zimmermann. Die Aufklärung der Konsumenten müsse im Mittelpunkt stehen.

Die Verunsicherung der Verbraucher beruht zum Teil auf dem Missverständnis hinsichtlich der Begriffe „Art“ und „Bestand“, die unterschieden werden müssen. Wenn in den Medien von der Gefährdung eines Fischbestands geschrieben werde, bestehe noch lange nicht die Gefahr, dass die gesamte Art vom Aussterben bedroht sei, so Zimmermann. Ein Beispiel sei der Kabeljau. Während der Bestand des Nordsee-Kabeljaus seit den 1970er Jahren stark abgenommen habe, gehe es dem Kabeljau in der Nordost-Arktis prächtig. Dieser Bestand liefere derzeit sogar mehr Ertrag als alle anderen Kabeljaubestände zusammen. Dass auch totgesagte Bestände sich schnell erholen können, zeige das Beispiel des inzwischen wieder kerngesunden Dorschbestandes in der östlichen Ostsee.

Verbraucher sollten sich daher bereits vor dem Kauf informieren, welcher Fisch aus welchen Beständen mit gutem Gewissen in den Einkaufswagen wandern kann. Zimmermann rät, dabei nicht nur auf die Einkaufsratgeber der Umweltverbände zurückzugreifen, sondern sich weitreichender zu informieren. „Wer bewusst Fisch konsumieren will, sollte auf eine differenzierte wissenschaftliche Darstellung setzen, die beispielsweise das Portal www.fischbestaende-online.de anbietet“, sagte er. Unerlässlich sind laut Zimmermann auch die Herkunftsangaben auf den Verpackungen, die der Handel immer mehr einführt, um den Verbrauchern mehr Auswahlmöglichkeiten einzuräumen und ihnen somit den nachhaltigen Genuss von Fisch und Meeresfrüchten zu ermöglichen.

Einen einfachen Rat hatte Zimmermann am Ende der Veranstaltung für die Zuhörer im Hörsaal. „Löchern Sie Ihren Fischhändler. Gibt er vage bis keine Auskunft, suchen Sie sich einen, dem Sie vertrauen können und der über die Herkunft seiner Ware Bescheid weiß. Der anschließende Fischgenuss bleibt Ihnen so keinesfalls verwehrt.“


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