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TOP 100 Champagner

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Richard Juhlin hat seine neueste Liste der 100 besten Champagner herausgebracht.

Der Mann ist nicht nur Weltrekordhalter im Wiedererkennen blindverkosteter Champagner, sondern hat auch den Guinness-Buch Eintrag für die meisten insgesamt verkosteten Champagner. Sein Urteil zählt in der Champagnerwelt erheblich mehr als das von Robert M. Parker, Broadbent, Johnson und anderen Weinschreibern. Tom Stevenson, der sich leider schon länger nicht mehr so recht zu Wort gemeldet hat, und Serena Sutcliffe erfreuen sich ebenfalls gehobener Reputation, sind aber kaum wirklich auf Augenhöhe mit Juhlin, dessen Standardwerk „4000 Champagner“ in jeden ambitionierten Champagnerbuchschrank gehört (ISBN: 978-2080304704, Preis um 70 EUR).

Auf Platz 1 steht nach wie vor, und als einziger Wein mit 100 Punkten, eine Kuriosität: der berühmte 1928er Grauves von Pol-Roger. Christian Pol-Roger war einmal so freundlich, mir zu erklären, worum es sich bei diesem Wein handelt: zunächst: strenggenommen gar nicht um Champagner! Sondern: um einen Reservewein (nämlich aus Grauves, einer Lage in der westlichen Côte des Blancs), genauer einen Chardonnay. Die Weine aus Grauves neigen dazu, sehr viel Säure zu entwickeln und werden bei Cuvées gern genommen, um säureschwache Jahre aufzufrischen. Der 1928er nun ist einer dieser Kandidaten. Die Besonderheit: er wurde mit einer leichten Prise de Mousse unter Druck gehalten und blieb bis kurz vor seiner Weitergabe an Juhlin im Rahmen des Millenniumtastings so frisch wie am ersten Tag. Dieser Nicht-Champagner ist also bislang der einzige Wein, der 100 Punkte von Juhlin bekommen hat – was einiges bedeuten will, wenn man weiß, daß Juhlin das 100-Punkte Spektrum anders, als bei Stillweinverkostungen üblich, praktisch voll – auch nach unten – ausnutzt.

In der Liste der 99-Punkter finden sich aber auch illustre Gäste:

38er Krug neben 79er und 88er Clos de Mesnil, Billecart-Salmons Nicolas-Francois aus dem denkwürdigen Jahrgang 1959, Bollingers Vieilles Vignes von 1970 – sonst nicht gerade berühmt für herausragende Champagner – und 1979, ein 1976er Comtes de Champagne gesellt sich zwanglos dazu und natürlich findet sich auch der praktisch ausgetrunkene 47er Salon.

Das Feld darunter ist übersät mit den üblichen Verdächtigen, aber auch weniger vorhersehbare Champagner wie Diamant Bleu 1964 (98 Punkte), und Piper-Heidsieck 1955 (auch 98 Punkte) tauchen auf, ferner Henriots Vinothek 1955 und seine Enchanteleurs, Vinothekausgabe Jg. 1976 mit je 97 Punkten. Auch das zwischenzeitlich qualitativ etwas abgetauchte Haus de Venoge ist mit seiner Prestigecuvée der Jahrgänge 1961, 1969, 1976 und 1979 dabei (alle 97 Punkte).

Fazit: Juhlin müßte man sein.


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Ein Kommentar

  1. Sind leider viele Champagner, die man nie trinken wird!

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